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Schwarzwald – das sind Kuckucksuhren, Bollenhüte, Kirschtorte. Und neuerdings auch 47 Affen. Affen? Nun, streng genommen einer: Monkey 47 – der einzige deutsche Gin aus dieser Region. Tatsächlich ist der Schwarzwald eine Region, in der es sehr viele „erste“ und „einzige“ exklusive Spirituosen gibt, Whiskey etwa (der hier oder auch dieser hier) und Wermuth oder auch, wohl nicht so bekannt, aber ebenso etwas Besonderes, Blutwurz, ein Schnaps aus der Rotwurz, der allerlei Heilwirksames nachgesagt wird. (Der Vollständig- keit halber: Es gibt auch weniger Hochprozentiges im Schwarzwald, Rothaus Bräu oder Alpirsbacher Klosterbräu, oder auch Garnichtprozentiges wie Peterstaler Mineralwasser!)

(c) Monkey 47

Nun soll das hier keine Aufforderung zum Alkoholexzess werden, sondern eine Spezialität würdigen, die wir eigentlich eher nebenbei entdeckt haben. Tatsächlich habe ich Gin bisher zwar schon probiert, er hat mich jedoch nicht „bleibend“ beeindruckt. Anders etwa Wiskey, den ich doch immer mal wieder zu schätzen weiß. Ganz anders ist das mit dem Monkey 47 in der bauchigen Apothekerflasche.

Was ist Dry Gin? | Gin ist ein Wacholderschnaps – entsprechend hochprozentig ist auch der Monkey 47 mit, richtig, 47% -, der seinen Geschmack aus einer aromatisierenden Kombination von Wacholder und anderen Gewürzen erhält. Letztere variieren von Hersteller zu Hersteller. Das Aroma wird bereits während der Destillation erzeugt.

Die älteste Nennung eines Wacholderschnaps ist in Quellen aus der 17. Jahrhunderts zu finden: Genannt wird ein „Genever“ aus den heutigen Niederlanden und Belgien. Über diverse politische Verwicklungen gelangte dieses Destillat auf die Insel und wurde dort zum „Gin“. Für historisch Interessierte gibt es da einiges nachzulesen – danke Wikipedia!

Und was ist Schwarzwälder Dry Gin? | Wie jedes Kultprodukt – oder was ein solches werden will – braucht es eine Geschichte. Denn alles begann im Juli 1945, als Montgomery „Monty“ Collins von der Royal Air Force in den britischen Sektor im geteilten Berlin versetzt wurde. 1951 verließ er die Armee und zog in den Nordschwarzwald – um das Uhrmacherhandwerk zu erlernen. Dafür hatter jedoch wenig Talent und eröffnete stattdessen ein Landgasthaus: „Zum wilden Affen“ – zu Ehren eines Makakenaffen namens Max, seinem „Patenkind“ im Berliner Zoo (für dessen Wiederaufbau er sich in Berlin engagiert hatte).

A long story short: Ganz britischer Gentleman wollte Montgomery auch im Schwarzwald nicht auf seinen Gin verzichten und entwickelte kurzerhand ein Rezept, um mit der besonderen Natur des Schwarzwalds sein eigenes Destillat zu produzieren: „Max the Monkey – Schwarzwald Dry Gin“. Danach jedoch verliert sich seine Spur in den frühen 60er Jahren …

(Video via YouTube, (c) Monkey47DryGin)

Erst rund 40 Jahre später kommt das Rezept bei Renovierungsarbeiten wieder zum Vorschein, 2008 wird es von Alexander Stein, Sproß einer traditionsreichen Baden-Württemberger Brennerfamilie, und Christoph Keller, einer der renommiertesten Destillateure Europas, wiederbelebt und verfeinert – mit 47 handverlesenen Zutaten, die großteils aus dem Schwarzwald stammen.

Mehr zur Geschichte und der DNA des Monkey 47 Gins gibt es auf der Website – die sehr kultig gestaltet ist, aber auch ein wenig unübersichtlich.

Jetzt aber! | Genug zum Hintergrund, jetzt wird endlich getrunken! Wie schmeckts? Zunächst einmal ist klar, der Gin ist hochprozentig und hat 47%. Er ist also sehr stark und schmeckt auch so. Nichts was man eben so wegtrinkt (obwohl man schon in Versuchung kommen kann …). Der Geschmack – nach dem ersten „Schnaps“-Moment – ist kräuterig, auch etwas fruchtig und entfaltet sich aromatisch im Mund. Und hält auch eine Weile vor, etwas, das wir sehr schätzen und an dem sich eine besondere Qualität zeigt. Profis mögen verschiedene Komponenten herausschmecken, mir gefällt vor allem das kräftige und doch milde Aroma.

Wie? | Wir experimentieren noch. Aber pur und kühl passt! Auch mit Mineralwasser und Zitrone  mit einem Schuss Süßem, etwa Agavensirup, als eine Art „Gin Tonic“ sehr lecker. Süß und kräuterig bitter ergänzen sich toll.

Übrigens | ist der Monkey 47 nicht ganz billig, um die 40€ / 500ml muss man rechnen. Es lohnt sich, einen Blick auf Angebote zu haben. Im Angebot ist er bei verschiedenen Onlineanbietern und in gut sortierten Spirituosenabteilungen. Außerdem gibt es Miniaturfläschen, hier sind unterschiedliche Preise zu finden, im Schnitt etwa 7€ / 50ml.

(c) Monkey 47

Übrigens Nr. 2: Wir waren im Schwarzwald unterwegs, in der Nähe der Destille. Allerdings lohnt sich ein Abstecher vor Ort nicht – es gibt keinen Shop und leider auch nicht viel zu sehen. Außer eben einem Fabrikgebäude. Vielleicht waren wir aber auch falsch!

Übrigens Nr. 3: Es gibt noch einen Sloe Gin auf Schlehdron-Basis, hier ist der Schnaps nicht transparent sondern intensiv rot – und wird sicher auch irgendwann von uns getestet!

alle Bilder (c) Monkey47

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4 Kommentare zu “Getestet | Monkey 47 – Gin aus dem Schwarzwald

  1. Uh, neee…. mit so etwas kannst Du mich jagen 🙂 Ich habe gar nichts für Alkohol übrig und schon gar nicht für Gin. Ein Bierchen vielleicht mal, das war es dann aber auch schon…. ;-))

    • Ich bin grad andersrum, Bier ist nicht so meins, dann schon lieber was Hochprozentiges … 😀 Aber was tut man nicht alles aus Lokalpatriotismus. 😉 Nee, ich bin selbst erstaunt, dass es mir schmeckt, weil mich Gin bisher nicht wirklich vom Hocker gerissen hat. In Maßen eben. Geht bei dem Preis auch gar nich‘ anders *hüstel* :))

  2. Oh yes, ich bevorzuge ebenfalls einen gepflegten Gin, bloß kein Bier! Allerdings bin ich gänzlich untalentiert im Beschreiben von Geschmacksnoten (und übrigens auch Düften), von daher ein sehr guter und interessanter Artikel! Diesen Gin kenne ich nicht (bin da ehrlich gesagt nicht so der Feinschmecker), werde ich mir aber definitiv mal organisieren. 🙂

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